IGF

Institut für Gewaltforschung und Prävention

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Start Bundeskongress deutscher Justizpsychologen 2012

16. Bundeskongress der Psychologinnen und Psychologen im Justizvollzug Deutschlands, ausgerichtet vom Institut für Gewaltforschung und Prävention (IGF) in Wien

17. - 20. April 2012, Wien, Österreich  

Ehrenschutz: Fr. Bundesministerin für Justiz  Univ. Prof. Mag. Dr. Beatrix Karl

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PDF vorläufiges Programm

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Konferenzort: Kardinal Koenig Bildungszentrum

Das Institut für Gewaltforschung und Praevention (IGF) Wien, Österreich, organisiert im Jahr 2012 den 16. Bundeskongress der Psychologinnen und Psychologen im Justizvollzug in Deutschland u.a. auch mit dem Ziel, den Austausch zwischen deutschsprachigen KollegInnen länderübergreifend zu ermöglichen


Widersprüche erkennen – Dilemmata überwinden

Der Strafvollzug ist voller Widersprüche und Dilemmata. Inhaftierte Täter erfahren die schlimmste Strafe, die ein Rechtsstaat verhängen kann: den Freiheitsentzug. Oftmals aber trifft es Menschen, die selbst von klein auf wenig Chancen auf ein prosoziales Leben hatten. Ihre Straftaten selbst sind aber oftmals schwerwiegend, brutal und für andere nicht nachzuvollziehen. „Resozialisierung“ klingt bei manchen Tätern fast zynisch, würde es doch implizieren, dass diese jemals einigermaßen sozialisiert waren.

Gesetzliche Bestimmungen, die den Strafvollzug regeln, verändern sich nach aktuellen politischen oder gesellschaftlichen Strömungen, und bestimmen somit den jeweiligen Arbeitskontext und Arbeitsauftrag von MitarbeiterInnen des Strafvollzugs. Legitimes Sicherheitsdenken und –streben, das vermehrte Wissen um Risikofaktoren, aber auch die mediale Überbewertung von tragischen Einzelfällen führen derzeit zu einer Betonung von Maßnahmen für Straftäter, die die Senkung der Rückfallgefahr zum Ziel haben. Dieser Druck kreiert eine eigene und neue Realität für Vollzugsbedienstete, die voller Einladungen zur Spaltung ist. Dies wiederum bereitet den Boden für Zugänge auf, die einfache Lösungen versprechen. Sei es der Ruf nach einem „hellseherischen“ Prognoseverfahren, oder der wirksamen rückfallverhindernden Interventionsform, die „flächendeckend“ anzuwenden wäre. Oder aber die "Erkenntnis", dass gar nichts helfen kann ausser der unbeschränkte Freiheitsentzug. Wir erleben eine Ausweitung der Sicherungsmaßnahmen bei manchen Tätern oftmals weit über das Strafende hinaus, und gleichzeitig fehlen uns aber gesetzliche Bestimmungen und die methodischen Möglichkeiten, die Treffsicherheit derartiger Maßnahmen zu garantieren. Der allerorts herrschende ökonomische Druck wiederum kann zwar einerseits Sinnvolles unterbinden, gleichzeitig kann er aber auch dazu führen, die Probleme unter dem realistischen Zugang der Machbarkeit wahrzunehmen.

Die Vollzugsrealität ist komplex, die Störungen der Klienten oftmals sehr schwer, das Arbeitsumfeld schwierig und nicht selten voller Destruktivität, und die Erwartungen der Gesellschaft unrealistisch. Wer sich in diesem schwierigen Kontext nicht den Zugang zu Professionalität verschafft, ist gefährdet zu scheitern oder auszubrennen. Professionalität heißt in diesem Zusammenhang, Widersprüche wahrnehmen, bewusstmachen, die Dilemmata kommunizieren und mit allen konstruktiven Kräften an Lösungen arbeiten.

Prof. Dr. Reinhard Eher, Vollzugsdirektion, Wien


Liebe Kolleginnen und Kollegen!

Ich freue mich, dass Sie 2012 Ihren Kongress in Wien abhalten und sehe dies auch als einen Beweis für ein Zusammenrücken der Strafvollzugsverwaltungen auf europäischer Ebene. Es ist dies eine notwendige Reaktion auf die Probleme, die in unseren Ländern überall ähnlich auftreten. Ein guter Strafvollzug ist immer das Resultat eines Zusammenspiels vieler Fachlichkeiten vor allem aus den Bereichen Psychologie, Medizin, Sozialarbeit, Pädagogik und nicht zu Letzt der Justizwache.  Ohne die Entwicklung gemeinsamer Vorstellungen über alle im Strafvollzug arbeitenden Berufsgruppen hinweg wird sich dieser schwer tun, den in der Öffentlichkeit auf Grund mangelnder finanzieller Ressourcen gerne propagierten „einfachen Lösungen“ entgegen zu wirken. Ich wünsche dem Kongress einen spannenden Verlauf.

Dr. Karl Drexler, ehem. Leiter der Vollzugsdirektion 


 Vorläufiges Programm eingeladener ReferentInnen und vorläufiger Titel

  • Hans-Jörg Albrecht, Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Strafrecht, Freiburg: "Entlassung bei langstrafigen Tätern"
  • Jürgen Atzlsdorfer, Justizbetreuungsagentur, Wien: "Die Justizbetreuungsagentur in Österreich: ein vielversprechendes Modell für die Betreuungsaufgaben im Vollzug?"
  • Katharina Bennefeld-Kersten, Kriminologischer Dienst, Justizvollzug Niedersachsen, und Stefan Fuchs, Vollzugsdirektion Wien: "Suizidprävention im Vollzug"
  • Alois Birklbauer, Institut für Strafrechtswissenschaften, Johannes Kepler Universität, Linz: "Management von gefährlichen Tätern nach dem Strafrechtsänderungsgesetz in Österreich"
  • Susanne Brandler, Prognosezentrum JVA Hannover: "Qualitätsstandards der psychologischen Arbeit im Strafvollzug aus Sicht der niedersächsischen LAG"
  • Karl Drexler, Vollzugsdirektion, Wien: "Das österreichische Strafvollzugsgesetz und seine Bestimmungen für die Arbeit der PsychologInnen"
  • Reinhard Eher, Begutachtungs- und Evaluationsstelle für Gewalt- und Sexualstraftäter, Wien: "Sexualstraftäter: Prognose und Risikomanagement"
  • Florian Engel, Vollzugsdirektion, Wien, und Martin Kitzberger, Forensisches Zentrum Asten: "Besonderheit "Maßnahmenvollzug" in Österreich"
  • Markus Feil, Psychotherapeutische Fachambulanz für Sexualstraftäter, München: "Spannungsfeld Nachsorgetherapie"
  • Elmar Habermeyer, Psychiatrische Universitätsklinik, Zürich: "Psychopathologische Einzelanalyse und standardisierte Prognoseinstrumente: ein Widerspruch?"
  • Sylvette Hinz, Kriminologischer Dienst Freistaat Sachsen, Leipzig: "Standards der Arbeit von JustizpsychologInnen im Freistaat Sachsen"
  • Jörg Kinzig, Eberhard Karl Universität, Tübingen: "Die Gesetzgebung zur Sicherungsverwahrung und ihre Auswirkungen auf den Strafvollzug"
  • Fritz Lackinger, Forensisch Therapeutisches Zentrum, Wien: "Psychoanalytische Tätertherapie"
  • Anna Matthes, Jugendanstalt Hameln: "Herausforderung jugendlicher Straftäter"
  • Andrea Moser-Riebniger und Peter Prechtl, Vollzugsdirektion Wien: "Der elektronisch überwachte Hausarrest in Österreich - eine neue Vollzugsform"
  • Norbert Nedopil, Abteilung for Forensische Psychiatrie, Universität München: "Die Integrierte Liste der Risikovariable (ILVR)" - Vorkonferenz-WS (eigene Anmeldung)
  • Janina Neutze, Institut für Sexualwissenschaft und Sexualmedizin, Berlin: "Kinderpornografie"
  • Wolfgang Neuwirth, Justizanstalt Wien-Simmering: "Die Arbeitsgemeinschaft der PsychologInnen im Strafvollzug in Österreich"
  • Joachim Nitschke, Klinik für Forensische Psychiatrie, Ansbach: "Sexueller Sadismus"
  • Andreas Nixdorff, Bewährungshilfe im Sicherheitsmanagement, Darmstadt: "Bewährungshilfe - Betreuung oder Kontrolle"
  • Gerhard Nogratnig, Bundesministerium für Justiz, Wien: Eröffnungsstatement
  • Joachim Obergfell-Fuchs, Justizvollzugsschule Baden-Württemberger, Stuttgart: "Umgang mit besonders rückfallgefährdeten Sexualstraftätern in Baden-Württemberg (KURS)"
  • Angela Oerman, Arbeitsgemeinschaft für wissenschaftliche Psychotherapie Freiburg: ""Behandlung von Emotionsregulationsstörungen bei Straftätern"
  • Friedemann Pfäfflin, Universität Ulm: "Widerprüche externer und interner Gefährlichkeitseinschätzungen und ihre Herausforderungen an das Betreuungspersonal"
  • Klaus Priechenfried, NEUStart Wien: "Sozialarbeit im Hausarrest - zwischen Deliktverarbeitung, Betreuung und Kontrolle"
  • Martin Rettenberger, Institut für Sexualforschung und Forensische Psychiatrie, Hamburg: "Kriminalprognosemethoden im Vergleich: Mythen und Fakten, Vorteile und Nachteile"
  • Sebastian Scheerer, Institut für Kriminologische Sozialforschung, Universität Hamburg: "Zur Funktion des Strafens"
  • Frank Schilling, Begutachtungs- und Evaluationsstelle für Gewalt- und Sexualsstraftäter, Wien: "Das Arbeitsumfeld der JustizpsychologInnen vor dem Hintergrund einer zunehmend sicherheitsorientierten Gesetzgebung"
  • Stefan Suhling und Susanne Jacob, Kriminologischer Dienst, Justizvollzug Niedersachsen, und JVA Hannover "Wirksamkeit des Justizvollzugs"
  • Peter Wanke, Kinder-und Jugendanwaltschaft und Verein LIMES, Wien: "Behandlung jugendlicher Sexualstraftäter in Österreich"
  • Johann Windhaber, Institut für Gewaltforschung und Prävention, Wien: "Psychopathologie Workshop für JustizpsychologInnen"
  • Gunda Wössner, Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Strafrecht, Freiburg: "Ergebnisse der Evaluation sozialtherapeutischer Einrichtungen für Gewalt- und Sexualstraftäter"
  • Lunar Yoon, Institut für Sexualforschung und Forensische Psychiatrie, Hamburg: "Der SAPROF - standardisierte Erhebung von protektiven Faktoren"